Es ist fünf Uhr morgens.
Der Wecker läutet. Draußen ist es noch still. Zum Glück ist vieles schon vorbereitet: Gestern Abend habe ich die Unterlagen heruntergeladen, den Laptop eingepackt und meine Kleidung hergerichtet.
Ich weiß: Es wird ein langer Tag.
Einige Stunden später sitze ich in der FH Wels. Lernen, zuhören, diskutieren, hinterfragen. Neue wissenschaftliche Ansätze, neue Erfahrungen, andere Sichtweisen.
In einer Pause mache ich schnell ein Foto. Der Innenhof liegt ruhig vor mir, in der Glasfront unseres Seminarraumes spiegelt sich der Seitentrakt der Fachhochschule.
Ich schaue hinaus – und plötzlich fällt mir diese Frage wieder ein, die mir Freunde und Bekannte schon öfter gestellt haben:
„Warum tust du dir das eigentlich an?“
Heute frage ich mich das selbst.
Warum um fünf Uhr aufstehen? Warum wissenschaftliche Arbeiten lesen, eine Bachelorarbeit schreiben, lernen und reflektieren – neben allem anderen, was das Leben ohnehin mitbringt?
Ich suche nach einer vernünftigen, logisch begründeten Antwort.
Doch stattdessen breitet sich ein angenehmes Gefühl in mir aus.
Zuversicht. Vertrauen in die Zukunft. Vertrauen in mich.
Und das Gefühl, Stein für Stein ein Fundament zu bauen.
Mit jedem Modul kommt etwas dazu: Wissen, wissenschaftliche Erkenntnisse, neue Perspektiven, Erfahrungen und Begegnungen.
Ich möchte mehr zur Verfügung haben, wenn mir ein Mensch gegenübersitzt. Mehr Wissen, mehr Erfahrung, mehr Möglichkeiten – und damit mehr Qualität und Professionalität.
Darin liegt für mich auch ein kleiner, feiner Unterschied zu manchen kurzen Wochenendseminaren, nach denen ein marketingtechnisch wunderbar aufbereitetes Programm beinahe für jedes menschliche Problem die passende Lösung verspricht.
Je mehr ich lerne, desto deutlicher wird mir:
Menschen sind komplex. Beziehungen sind komplex. Das Leben ist komplex.
Und dann kommt der vielleicht ehrlichste Gedanke:
Ich mache das nicht nur für die Menschen, die zu mir kommen. Ich mache es auch für mich.
Denn während mein Wissen wächst, wachse auch ich. Ich hinterfrage, entdecke neue Perspektiven und sehe die Welt mit anderen Augen.
Nicht alles im Leben muss sofort etwas „bringen“.
Manches darf einfach wachsen.
Wissen. Reife. Entwicklung. Transformation.
Ich schaue noch einmal hinaus.
„Warum tust du dir das eigentlich an?“
Und ein Lächeln breitet sich aus.
Vielleicht tue ich es mir gar nicht an.
Vielleicht tue ich es für mich.
Und für die Menschen, die mir ih Anliegen anvertrauen.