„Ich sitze da und merke: Es wird mir einfach zu viel. Es zählen immer die anderen. Und ich? Ich bin irgendwie unsichtbar geworden. Dabei mache ich doch so viel. Ich koche, organisiere, kümmere mich, denke an alles und versuche, die Wünsche der anderen zu erfüllen. Eigentlich kenne ich dieses Gefühl schon lange. Schon als Kind. Meine Geschwister wurden bevorzugt, sie bekamen vieles – und ich? Ich nicht. Dann habe ich geheiratet und mich auf mein eigenes, erwachsenes Leben gefreut. Ich dachte: Jetzt wird es anders. Jetzt habe ich meine eigene Familie. Jetzt werde auch ich gesehen.
Aber dann kam der Alltag. Und ich wurde …
Köchin.
Mutter.
Liebhaberin.
Haushälterin.
Einkäuferin.
Organisatorin.
Urlaubsplanerin.
Terminmanagerin.
Telefonzentrale.
Taxifahrerin.
Krankenschwester.
Seelentrösterin.
Problemlöserin.
Lernbegleiterin.
Familienmanagerin.
Planerin …
Ich war für alle da.
Aber wer war eigentlich für mich da?
Und irgendwann frage ich mich:
Wo bin ich bei all dem geblieben?
Es wird still.
Denn hinter dieser Frage steckt nicht nur Erschöpfung. Da ist auch der Schmerz eines Menschen, der sich sein Leben lang danach gesehnt hat, gesehen, anerkannt und wertgeschätzt zu werden. Und vielleicht liegt genau hier der Beginn einer Veränderung.
Nicht noch mehr leisten.
Nicht noch mehr geben.
Nicht noch mehr kämpfen.
Sondern beginnen, sich selbst wieder zu sehen.
Was habe ich alles geleistet?
Was habe ich getragen?
Was brauche ich?
Was wünsche ich mir?
Was bin ich mir selbst wert?
Selbstwert bedeutet nicht, dass uns die Anerkennung anderer egal werden muss. Wir Menschen brauchen Wertschätzung, Nähe und Resonanz. Aber vielleicht dürfen wir aufhören, uns selbst zu übersehen, während wir darauf warten, von anderen gesehen zu werden. Diese Geschichte handelt von einer Frau, von einer Frau, die selbst nie gesehen hat.
Und gleichzeitig ist es nicht nur ihre Geschichte. Ich höre sie in unterschiedlichen Varianten immer wieder. Es sind Dutzende Geschichten von Menschen, auch Männern, die gegeben, getragen, organisiert, gekämpft und funktioniert haben.
Bis irgendwann diese eine Frage kommt:
„Wo bin eigentlich ich geblieben?“